Wahlrecht: Warum Beamte bei der Krankenversicherung eine Sonderrolle spielen
Angestellte können sich nur privat versichern, wenn ihr Einkommen die Versicherungspflichtgrenze übersteigt. Als Beamter hast du diese Wahl unabhängig von deinem Einkommen – vom ersten Tag der Verbeamtung an.
Der Grund: Dein Dienstherr übernimmt über die Beihilfe einen direkten Anteil deiner Krankheitskosten. Dadurch brauchst du keine Vollversicherung – sondern nur eine PKV, die den Rest abdeckt. Dies ist ein klarer Vorteil für jeden im Beamtenstatus.
Pauschale Beihilfe – wer bekommt einen GKV-Zuschuss?
In neun von 16 Bundesländern gibt es die pauschale Beihilfe, einen Zuschuss des Dienstherrn auch für GKV-versicherte Beamte:
Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen.
In den übrigen sieben Bundesländern trägst du den vollen GKV-Beitrag selbst. Dein Dienstherr zahlt nichts dazu.
→ Alles zur GKV für Beamte liest du hier: Beamte in der gesetzlichen Krankenkasse
Kostenfaktor: Wie Beihilfe und PKV zusammenspielen
Entscheidest du dich für die PKV, übernimmt die Beihilfe deinen individuellen Anteil — mindestens 50 %, ab dem zweiten Kind oder als Pensionär bis zu 70 % (Ausnahmen Hessen und Sachsen). Nur den verbleibenden Rest sicherst du über deine PKV ab.
Der PKV-Beitrag hängt nicht von deinem Einkommen ab, sondern von deinem Einstiegsalter, deinem Beihilfesatz, deiner Beihilfeverordnung und deinem Gesundheitszustand.
→ Wie viel du konkret zahlst: Was kostet eine private Krankenversicherung für Beamte
Was Online-Vergleichsrechner dir nicht zeigen
„Ich bin gesund“ — das höre ich täglich in meinen Beratungsgesprächen, und das stimmt in den meisten Fällen auch.
Aber die PKV fragt beispielsweise nach ambulanten Behandlungen der letzten 3 Jahre und Krankenhausaufenthalten der letzten 5 Jahre. Dabei kommen Dinge zum Vorschein, die längst vergessen oder unwichtig schienen: z.B. eine Rückenbehandlung beim Physiotherapeuten, Heuschnupfen, eine Sportverletzung. Ob längst ausgeheilt oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Welche Angaben dabei relevant sind, liest du hier: Welche Gesundheitsangaben sind bei einer PKV wichtig?
Jede PKV bewertet das anders. Ein Versicherer verlangt einen Aufschlag, der andere nicht. Diesen Unterschied zeigt dir kein Portal. Deshalb empfehle ich vor jeder Entscheidung eine anonyme Risikoprüfung. Du weißt dann vorab, zu welchem Beitrag dich die jeweilige Gesellschaft aufnimmt.
→ Meinen echten Beitrag berechnen lassen
Entscheidungshilfe: PKV mit Kindern – lohnt sich das?
Ab dem zweiten Kind steigt dein Beihilfeanspruch auf 70 % – Kinder selbst haben sogar einen Anspruch von 80 % (Ausnahmen: Sachsen und Hessen). Ob du deine Kinder privat versichern musst oder beitragsfrei in der GKV-Familienversicherung beim Partner lassen kannst, hängt von deinem Einkommen, Familienstand und Bundesland ab.
→ Alle Details: Kinder von Beamten — PKV oder GKV?
Fazit: So triffst du die richtige Entscheidung
Du weißt jetzt: Es gibt keine gesetzliche Pflicht, in die private Krankenversicherung zu wechseln – du hast das Wahlrecht. Doch auch wenn du nicht „musst“, entscheiden sich über 90 % der Beamten in Bund und Ländern aufgrund des individuellen Beihilfe-Systems für die PKV. (Quelle: PKV-Verband)
Damit du nicht nur die rechtliche Lage kennst, sondern auch das für dich beste System findest, habe ich alle Details zu Leistungen, Tarifen und dem optimalen Wechsel in meinem Hauptratgeber zusammengefasst.
➔ Wirst du noch Beamtenanwärter? Für dich gelten vergünstigte Anwärtertarife, die sich nach der Verbeamtung auf Probe anpassen. Was das konkret bedeutet, erklärt der Ratgeber zur PKV für Beamtenanwärter