Muss ich als Beamter privat versichert sein?
Nein, du musst nicht. Laut PKV-Verband sind 93 Prozent aller Beamten privat krankenversichert. Auch die gesetzliche Krankenversicherung ist möglich, allerdings erhältst du nur in 9 Bundesländern einen Zuschuss von maximal 50 Prozent. Bei der Bundesbeihilfe und in allen anderen Bundesländern trägst du den GKV-Beitrag komplett selbst. Wichtig dabei: Die PKV erfordert eine Gesundheitsprüfung. Vorerkrankungen können zu Beitragszuschlägen führen oder bestimmte Leistungen ausschließen.
→ Mehr dazu: Muss ich mich als Beamter privat versichern?
Was kostet die PKV für Beamte?
Die Beiträge hängen nicht von deinem Einkommen ab.
Entscheidend sind vier Faktoren:
- dein Einstiegsalter
- dein Gesundheitszustand
- dein Beihilfesatz
- der gewählte Leistungsumfang.
Zur Orientierung: Als 21-jähriger Beamter ohne Vorerkrankungen mit 50 Prozent Beihilfe zahlst du für einen Tarif mit Einbettzimmer, Chefarztbehandlung, Beihilfeergänzungstarif und Pflegeversicherung je nach Gesellschaft zwischen 279 und 408 Euro monatlich.
→ Konkrete Beispielrechnungen für verschiedene Situationen, alle Kostenfaktoren im Detail und ein Vergleich von über 40 Gesellschaften findest du hier: Was kostet die PKV für Beamte?
PKV oder GKV für Beamte: Die wichtigsten Unterschiede
Ob PKV oder GKV die bessere Wahl ist, hängt von deiner persönlichen Situation ab. Die Unterschiede liegen nicht nur im Beitrag, sondern auch in Leistungen, Wartezeiten und Flexibilität.
| Leistung | PKV | GKV |
|---|---|---|
| Wahl des Arztes | Freie Arztwahl | Nur Behandlung durch Ärzte mit Kassenzulassung; bei bestimmten Fachärzten nur mit Überweisung |
| Wartezeiten auf Termine | Häufig schnellere Terminvergabe | Oftmals längere Wartezeiten auf Termine bei Fachärzten |
| Vorsorge | Vorsorgeuntersuchungen nach gesetzlich eingeführten Programmen. Tarifabhängig ohneAltersbeschränkung | Nach den gesetzlich eingeführten Programmen mit Altersbeschränkungen |
| Brillen, Kontaktlinsen | Erstattung für Brillen undKontaktlinsen (die Höhe ist abhängig vom Tarif) | Keine Erstattung (nur bis zum 18. Lebensjahr) |
| Heilmittel (z.B. Massagen, Krankengymnastik) | Freie Verschreibungsmöglichkeit. Tarifabhängige Erstattung | Kostenerstattung gemäß den Heilmittelrichtlinien. Zuzahlung 10 % derKosten zuzüglich 10,00 Euro je Verordnung |
| Hilfsmittel (z.B. medizinische Geräte) | Offener Hilfsmittelkatalog | Kostenübernahme gemäß Hilfsmittelverzeichnis |
| Heilpraktiker | Tarifabhängige Erstattung, zumeist 100% | keine Leistung. Einige Krankenkasse bieten als Zusatzleistung eine anteilige Kostenübernahme an |
| Zahnbehandlung | Tarifabhängige Erstattung, zumeist 100%. 2x jährlich professioneller Zahnreinigung | Grundversorgung (Zuzahlungen z.B. zu teureren Füllungen) |
| Zahnersatz | Tarifabhängige Erstattung, zumeist 100%, in der Regel wird zudem auch eine höherwertige Versorgung übernommen | Befundbezogene Festzuschüsse |
| Krankenhaus | Tarifabhängig stationäre Wahlleistungen: Einbettzimmer mit freier Arztwahl (privatärztliche Versorgung) | Regelleistungen: Mehrbettzimmer / diensthabender Arzt |
→ Alle Details dazu liest du hier: PKV oder GKV für Beamte: Welche Krankenversicherung lohnt sich?
Kinder und Ehepartner in der PKV mitversichern
Entscheidest du dich für die PKV, kannst du auch deine Kinder und unter bestimmten Voraussetzungen deinen Ehepartner privat versichern. Für Kinder gilt ein Beihilfesatz von 80 Prozent. Über die PKV sicherst du nur die verbleibenden 20 Prozent ab. Die GKV-Familienversicherung ist dagegen für Kinder beitragsfrei.
Ob deine Kinder eine eigene PKV brauchen oder die GKV-Familienversicherung ausreicht, hängt von Bundesland und Familiensituation ab:
→ Ratgeber: Kinder von Beamten – PKV oder GKV?
→ Krankenversicherung für Ehepartner von Beamten
Der Wechsel in die private Krankenversicherung
Als Beamter kannst du dich unabhängig von deinem Einkommen für die PKV entscheiden. Eine Ausnahme gilt in den 9 Bundesländern mit pauschaler Beihilfe: Wer sich dort einmal für die GKV entschieden hat, kann nicht mehr in eine PKV mit individueller Beihilfe wechseln.
Bei schweren Vorerkrankungen, die zu Ablehnungen oder sehr hohen Risikozuschlägen führen, kannst du die Öffnungsaktion für Beamte wählen. Diese gilt innerhalb der ersten sechs Monate nach der Verbeamtung und begrenzt Risikozuschläge auf 30 Prozent, ist aber mit Leistungseinschränkungen verbunden.
→ Was du bei der Gesundheitsprüfung angeben musst, zeigt dir mein Ratgeber: Welche Gesundheitsangaben bei einer PKV wichtig sind
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PKV-Leistungen: Dauerhaft vertraglich gesichert
Bist du verbeamtet, ist der vereinbarte Schutz der PKV dauerhaft garantiert. Weder der Gesetzgeber noch das Versicherungsunternehmen können Leistungen einseitig herabstufen. Anders als in der GKV, wo der Gesetzgeber Kassenleistungen jederzeit ändern kann, bleibt dein vertraglich gesicherter PKV-Schutz konstant.
Kürzt dein Dienstherr die Leistungen der Beihilfe, kannst du deinen privaten Versicherungsschutz anpassen. Viele Gesellschaften verlangen dafür allerdings eine Gesundheitsprüfung. Die während der Beamtenlaufbahn aufgebauten Altersrückstellungen dämpfen zudem den Beitragsanstieg im Alter.
PKV und Beihilfe: So bekommst du deine Arztkosten erstattet
Als privat versicherter Beamter erhältst du Arzt- und Krankenhausrechnungen direkt zugeschickt. Der Ablauf ist heute digital:
- Rechnung erhalten: Der Arzt schickt dir die Rechnung direkt nach Hause.
- PKV einreichen: Per App oder Online-Portal. Bei Standardleistungen erstattet die PKV meist innerhalb weniger Tage. Bei stationären Aufenthalten kann der private Anteil oft direkt über die Versichertenkarte abgerechnet werden.
- Beihilfe einreichen: Per App oder Online-Portal. Kleinere Rechnungen dauern manchmal etwas länger. Größere Beträge werden zumeist bevorzugt bearbeitet.
- Erstattung erhalten: Wie viel PKV und Beihilfe zusammen übernehmen, hängt von deiner Beihilfeverordnung und deinem gewählten Tarif ab.
→ Alle Details zur Abrechnung: Muss ich als Beamter die Arztkosten immer vorstrecken?
PKV in der Pension: Warum dein Beitrag sinkt
Die PKV begleitet dich nicht nur während der aktiven Dienstzeit, sondern ein Leben lang. Mit dem Pensionseintritt steigt dein Beihilfesatz in den meisten Bundesländern auf 70 Prozent (Ausnahme Hessen). Deine PKV sichert dann nur noch 30 Prozent ab statt bisher 50 Prozent. Der Tarif wird entsprechend angepasst, was deinen Beitrag gegenüber dem letzten in der aktiven Dienstzeit senkt.
Hinzu kommen die aufgebauten Altersrückstellungen. Sie mindern die Beitragsanstiege, die durch steigende Gesundheitskosten und den medizinischen Fortschritt entstehen. Ab dem 60. Lebensjahr entfällt zudem der gesetzliche 10-Prozent-Zuschlag zur Rückstellungsbildung.